Einblick

Beten Sie für mich …

Diesen Wunsch höre ich als Pfarrerin im Krankenhaus immer wieder. Eher selten bitten Menschen um ein gemeinsames Gebet. Meistens werden diese Wünsche zum Ende eines Gespräches geäußert.

Gespräche sind heilsam – das habe ich im Laufe meiner Arbeit als Krankenhausseelsorgerin erfahren. Manchmal sind es die scheinbar „unbedeutenden“, nicht mit Sinnfragen aufgeladenen Gespräche, die eine ganz tiefe Wirkung und wichtige Bedeutung für die Menschen haben. Oft biete ich am Ende eines Gespräches eine persönliche Segnung an, die die meisten Menschen gerne annehmen, auch wenn ich spüre, dass sie nicht so genau wissen, was da mit ihnen geschieht. Immer wieder sind Männer wie Frauen sehr ergriffen und gerührt von diesem Zeichen, das ihnen die Zuwendung und Nähe Gottes in schwerer Zeit neu bewusst macht.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen die Patientinnen und Patienten mit ihren Angehörigen. Hören und schweigen, reden und vielleicht auch fragen – der lebendige und authentische Kontakt ist für mich der Kern der Seelsorge.

Die Lebensleistung eines Menschen anerkennen, wahrnehmen, was an Leiden, Verzweiflung und Kummer in einem Leben wohnt, gemeinsam standhalten, wenn Ärzte schlechte Nachrichten bringen, sich freuen über Geglücktes, Heilung, eine liebevolle Familie, eine entlastende Diagnose, gute Tage trotz schwerer Krankheit, auch im Sterben im Kontakt bleiben, sich gemeinsam mit den Familien dem Tod aussetzen und ihn würdigen.

Manchmal finde ich es schwer, zugleich in zwei sehr verschiedenen Systemen beheimatet zu sein – Krankenhaus und Kirche, beides komplexe Gebilde mit je eigenen Besonderheiten, Sprachen und Gepflogenheiten. Nicht immer harmoniert das miteinander – den Ausgleich muss ich in mir finden. Zum Glück habe ich Unterstützung und Hilfe durch kollegialen Austausch und regelmäßige Supervision.

Pfarrerin sein im Krankenhaus – eine erfüllende, anspruchsvolle, vielfältige und wichtige Aufgabe. Ich habe den schönsten Beruf, den ich mir vorstellen kann.