Einblick

Die ausgestreckte Hand der Kirche in die Arbeitswelt

Mit diesen Worten hatte Bischof Zippert das Arbeitsfeld beschrieben, in dem ich seit Januar 2011 als Pfarrer arbeite. Das Referat, das ich leite, heißt „Wirtschaft-Arbeit-Soziales“. Es gehört zum Bildungsdezernat unserer Landeskirche. Zu meinem Team gehören acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die drei Bereichen zugeordnet sind: Industrie und Dienstleistung, Handwerk und ländlicher Raum. Wir organisieren Betriebsbesuche, bieten Veranstaltungen und Beratungen an, unterstützen Kirchenkreise und Gemeinden, kooperieren mit zahlreichen Institutionen wie Gewerkschaften, Arbeitgeberverbändern, den Kammern für Industrie, Handel und Handwerk, arbeiten in Bündnissen und versuchen in Stellungnahmen unser christliches Menschenbild in gesellschaftliche Debatten einzubringen.

Dreizehn Jahre habe ich als Landpfarrer gearbeitet - gern und engagiert. Dann war ein Wechsel dran. Es hätte eine andere Gemeindestelle sein können. Aber da ich mich schon lange mit Fragen der Wirtschaftsethik beschäftigt hatte, suchte ich eine Stelle in Kirche oder Diakonie, in der ich meine besonderen Interessen und Kenntnisse noch mehr einbringen konnte. Die Chancen, eine der Fachstellen in unserer Landeskirche zu bekommen steigen, wenn man sich in einem Bereich speziell weitergebildet hat.

Kirche ist nicht nur Kirche am Ort, sondern auch Kirche am Weg, dort wo die Menschen arbeiten oder sich gesellschaftlich engagieren. Mein Team und ich versuchen zuzuhören, zu verstehen, zu unterstützen und sozialethisch Position zu beziehen. Das ist angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen anspruchsvoll und höchst spannend: Wie können Menschen gut, gesund und motiviert arbeiten, vor welchen Herausforderungen steht das Handwerk, welche Landwirtschaft wollen wir, wie kann sich der ländliche Raum entwickeln, welches Wachstum kann unser Planet noch tragen, was bedeutet der zentrale wirtschaftliche Wert der Gerechtigkeit für unser gesellschaftliches und globale Wirtschaften, …?

Kirche ist in diesen Fragen nicht Lehrmeisterin, sondern Gesprächspartnerin: wir ringen gemeinsam mit Christen und Menschen anderer Prägung um ethische Orientierungen. Dabei erlebe ich, dass die Bibel und christliche Tradition für uns eine wichtige Quelle der Kraft und der Inspiration sind.