Einblick

Begegnung der besonderen Art.

»Dieser Tillich war ganz schön schlau, oder?« So reagierte ein Schüler aus einer Berufsfachschulklasse auf einen Text von Paul Tillich, den wir zusammen gelesen hatten. Religionsunterricht mit Jugendlichen, die nicht so ganz genau wissen, wer Jesus war?

Anfangs sah ich nur das Defizit, das Nicht-Wissen, und nicht das Potential, die Neugierde der Schülerinnen und Schüler. Das hat sich bald für mich geändert. Pfarrerin in der Berufsschule, das bedeutet Auseinandersetzung mit charmanten und pöbelnden, klugen und weniger klugen, verletzten und einigermaßen heilen Jugendlichen, die nicht zum inneren Kreis der Kirche gehören, aber oft auf der Suche sind nach religiöser Orientierung.

Ich bin für sie in der Schule beides: sowohl ihre Religionslehrerin, die sich an den Lehrplan hält und Noten gibt als auch die Pfarrerin. Denn oft wollen sie es genau wissen: Was sagen Sie als Pfarrerin dazu? Zu Recht erwarten sie von mir, dass ich mit einiger Sicherheit sagen kann, wer ich als Christin bin, was meine Geschichte ist und was an Tradition und gelebtem Glauben zu mir gehört. Dann hören sie zu – sehr aufmerksam, fast immer! Und dann kann ich ihnen auch schwere Texte zumuten und zutrauen.

Für die Schülerinnen und Schüler bin ich oft die einzige Vermittlerin christlicher Inhalte. Was für eine Chance! Mit ihnen zu arbeiten ist einfach schön!