Mehr als die zehn Gebote.
Der Inhalt des Theologiestudiums.

Die Sprachen

Im Studium der Theologie werden drei Sprachen erlernt: Hebräisch (Altes Testament), Griechisch (Neues Testament und Kirchengeschichte) und Latein (Kirchengeschichte und Dogmatik). In der Regel werden die Sprachkurse an der Theologischen Fakultät belegt, an der man studiert. Es besteht zudem die Möglichkeit – gerade, wenn drei Sprachen zu erlernen sind – an Feriensprachkursen teilzunehmen. Eine aktuelle Übersicht finden Sie auf der Homepage der EKD.

Altes und Neues Testament

Im Theologiestudium geht es zunächst um die biblischen Bücher, das heißt die Schriften des Alten und Neuen Testamentes. In beiden Fächern lässt sich eine eher historisch von einer eher theologisch arbeitenden Fragestellung unterscheiden. In historischer Richtung kann man zum Beispiel fragen: Wer waren die Verfasser der biblischen Bücher? In welcher Situation haben sie ihre Schriften verfasst? Welche Bedeutung haben ihre Texte in der Folgezeit ihrer Überlieferung jeweils erlangt? In theologischer Richtung kann man zum Beispiel fragen: Welche bleibende Bedeutung haben die biblischen Texte für den christlichen Glauben entfaltet? Welche gegenwärtige Verbindlichkeit besitzen sie für die christliche Kirche und die Theologie? Kurz: Was sagen uns die Texte des Alten und Neuen Testamentes heute.

Die Kirchengeschichte

Die Kirchengeschichte befasst sich mit der 2000-jährigen Geschichte der christlichen Kirchen und ihrer Theologie. Üblich ist die Einteilung in fünf Epochen: Alte Kirchengeschichte, Mittelalter, Reformationszeitalter, Neuere Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte. Die Kirchengeschichte fragt nicht nur nach der kirchlichen, sondern auch nach der außerkirchlichen Wirkungsgeschichte des Christentums. Sie hat damit einen weiten Blick und betrachtet auch kritische Formen christlicher Religiosität.

Die Dogmatik

Die  Dogmatik ist eine Unterdisziplin der Systematischen Theologie, der es darum geht, die Lehre des christlichen Glaubens in ihrem Zusammenhang darzustellen und begreifbar zu machen. Drängende Fragen, mit denen sich die Dogmatik befasst, sind zum Beispiel: Warum gibt es Leiden in der Welt? oder: Was passiert nach dem Tod? Was heißt es, von Vater, Sohn und Heiligem Geist zu sprechen ? Oft ist dabei die Philosophie eine unentbehrliche Gesprächspartnerin. Hier eröffnet sich auch ein Blickfeld, das für die christliche Lehre zunehmend an Bedeutung gewinnt: Der Dialog zwischen den christlichen Konfessionen und zwischen den Weltreligionen. Damit befassen sich die Ökumene und die Religions- und Missionswissenschaft.

Die Ethik

Die Ethik als die zweite Unterdisziplin der Systematischen Theologie fragt nach dem guten und richtigen Handeln, nach einem verantwortlichen Handeln. Dabei sind nicht nur Konfliktfälle im Blick, in denen schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen. Die Ethik fragt auch generell: Welche  Konsequenzen hat das eigene Tun und Verhalten? Welche Orientierung, welche Richtlinien folgen aus dem christlichen Glauben? Wie kann zum Beispiel ein theologisches Verständnis von »Gerechtigkeit«, »Verantwortung«, »Gewissen« oder auch »Liebe« aussehen? Die Ethik deutet diese großen Begriffe aus der christlichen Tradition und füllt sie mit Leben, indem sie sich den ethischen Problemen gegenwärtiger Lebensführung zuwendet und diese ethisch diskutiert. Als Sozialethik äußerst sie sich zudem zu gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Aspekte gegenwärtiger Problemlagen in unserer Gesellschaft und in der Welt.

Die Praktische Theologie

Die Praktische Theologie fragt  nach der kirchlichen und religiösen Praxis in Kirche und Gesellschaft. Um zu einem tieferen Verständnis menschlichen Verhaltens in religiöser Perspektive zu kommen, führt die Praktische Theologie einen Dialog mit den so genannten Humanwissenschaften (vor allem Psychologie, Pädagogik, Soziologie). Sie macht die so gewonnenen Einsichten fruchtbar für eine theologische Lehre vom Gottesdienst, von der Predigt, von der Seelsorge und vom Unterricht. Weil Gemeinde aber mehr ist als die Summe der pastoralen Handlungsfelder, gewinnt auch das Verständnis von Kirche als Organisation mit komplexen Kommunikations- und Leitungsstrukturen für die Praktische Theologie zunehmend an Bedeutung (Gemeindeaufbau, Kirchentheorie, Gemeindeleitung).